Ab Oktober wird der zweite Teit der Projektreihe"Blick in die Zukunft - Gegen das Vergessen" fortgeführt!

Die ugandische Autorin Jennifer N. Makumbi beim Shortstory-Festival zu "Blick in die Zukunft - Gegen das Vergessen" April 2021

Die kamerunische Autorin Jo Güstin, live zugeschaltet aus Toronto spricht über ihre Kurzgeschichte Lisa fucking Müller

Die senegalesische Autorin Nafissatou Dia Diouf live zugeschaltet zum Shortstory-Festival April 2021

Der kongolesische Autor Sinzo Aanza live zugeschaltet beim Shortstory-Festival April 2021

Die südafrikanische Autorin Karen Jennings live zugeschaltet beim Shortstory-Festival April 2021

Die deutsch-nigerianische Autorin Olumide Popoola live zugeschaltet beim Shortstory-Festival April 2021

Azizè Flittner als Vorleserin, Mai 2021

Mariama, April 2021

Mohamed Amjahid, Olumide Popoola & Wiebke Wehebrink, Juni 2021

Liz Shoo und Madeleine Rösler, Juni 2021

stimmen afrikas-Team, April 2021

Aktuelles

Podcast: LÄNDERFOKUS Togo

Podcast: LÄNDERFOKUS Togo

29. April 2021

Wie war das noch mal mit den deutschen Kolonien? Warum ist Togo als "Musterkolonie" bezeichnet worden? Und was hat das überhaupt mit uns allen zu tun?Nach dem Fokus Nigeria richtete…

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Wir sagen DANKE

An dieser Stelle möchten wir von stimmen afrikas  uns bei allen bedanken, die beim Shorstory-Festival dabei waren und uns ünterstützt haben!!!

Am 5. Mai geht es mit Jo Güstin weiter!

© Herby Sachs

Buchtipp: Kampala -Hamburg

März 2021

Birgit Morgenrath

Schwule Welten

Verfolgung und Solidarität

Sie kommen in den Medien der Welt kaum vor: LGBTIQ* - Jugendliche [Anmerkung 1 am Schluss], die in zahlreichen Ländern der Welt verfolgt werden und nicht selten sogar um ihr Leben fürchten müssen. Nun erinnert ein bemerkenswertes Buch an die Schicksale dieser jungen Menschen: Kampala – Hamburg; Roman einer Flucht von Lutz van Dijk. Die Münchener „Bücherfresser“ (einer von sechs Jugendbuchclubs) haben es unter 140 Büchern ausgewählt und für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert. [Anmerkung 2]

Es geht um zwei Jungs. Sie leben 6000 Kilometer voneinander entfernt, haben aber ähnliche Ängste und hegen ähnliche Sehnsüchte und Hoffnungen. Denn beide sind schwul.

David wohnt in Hamburg bei seiner älteren Schwester Michelle und ihrem kleinen Sohn, weil er seine streitenden Eltern und seinem wütenden Vater nicht mehr ertragen konnte. Der 18Jährige steht kurz vor dem Abi und verdient nachmittags ein paar Euro im Supermarkt. Auch viele seiner Freunde sind schwul und sie treffen sich im mhc, dem Magnus-Hirschfeld-Centrum, benannt nach dem jüdischen Arzt, „dem Vorfechter für unsere Rechte aus dem letzten Jahrhundert“ für LGBTIQ.

Der zweite Junge, der zufällig auch David heißt, lebt in der ugandischen Hauptstadt Kampala bei seiner Mutter, einer Krankenschwester. Die Alleinerziehende versteht und unterstützt ihren Sohn trotz des Schwulenhasses im Land. Der 16Jährige trifft sich mit seinen Freunden im Smug (Sexual Minorities in Uganda), einem Treffpunkt für LGBTI oder in der „Sunshine Bar“. Beide Davids erzählen unabhängig voneinander, dass sie schon als Kinder wussten, dass sie lieber Jungen als Mädchen mögen.

Lutz van Dijk, deutsch-niederländischer Historiker und Autor vieler Jugendbücher, lässt anfangs die beiden Protagonisten ihre jeweilige Geschichte parallel, aus ihren verschiedenen Perspektiven erzählen. Bis sie sich treffen, im internet.

Zunächst lernt David in Hamburg im „safe space“ für Geflüchtete des mhc junge Menschen kennen, die vor Verfolgung und Anschlägen geflohen sind: den schüchternen Igor aus Russland, die Lesbe Leila aus Ägypten und Mustafa, ein wie seine Frau zwangsverheirateter schwuler junger Mann aus dem Iran. Mustafa kümmert sich zusammen mit dem arabischstämmigen Freund Hassan um Said in Teheran. Er wurde von der Polizei vergewaltigt und ist nun auf der Flucht in die Türkei, eines von vielen Schicksalen, von denen die Leser*innen erfahren.

David gefällt die bunt-internationale Umgebung im „safe space“ und auch er will sich für junge Menschen aus anderen Ländern einsetzen. Auf der Datingplattform PlanetRomeo stößt er unter seinem Namen Work for love auf Freedom Fighter 4. Der schickt nur eine Frage in die Welt: „Wer hilft mir, hier wegzukommen?“

Schnell wird klar, dass dieser Junge aus Uganda Hilfe braucht. Denn gleich zu Beginn des Romans wird die Sunshine Bar von „religiösen Fanatikern“ heimgesucht. „Ihr Sünder! Ihr Sodomiten! Wir kommen von Gott!“ schreit einer. Es gibt Verletzte und Davids Hund Robinson wird getötet. In Uganda werden Homosexuelle nicht nur vom Staat, sondern auch von den Kirchen aktiv verfolgt. Als Davids mutige Mutter den Pastor ihrer eigenen Kirche zur Rede stellt, meint dieser: „Ihr habt ein gutes Herz, Schwester, aber auch Ihr seid verwirrt“. (…) Vielleicht war es der Teufel, der Ihren Sohn vom rechten Tun abbrachte. Gott schuf Mann und Frau zum Zweck der heiligen Ehe. Alles andere ist eine Verirrung, eine Krankheit, ist Gewalt gegen die göttliche Natur.“ David und seine Freunde müssen um ihr Leben fürchten: Issac wird gefoltert und erstochen am Strand gefunden. Julian, mit dem David Sex hatte, wird von seinem Vater mit einem Spaten geschlagen. Und dieser Vater

will nun Anzeige gegen David erstatten. Auch seine Mutter erhält eine Anzeige wegen „Beherbung einer kriminellen Vereinigung“ weil sie den jungen Leute in ihrem Haus einen Treffpunkt gab.

David muss Kampala verlassen. Und so wird aus der vorsichtigen Annäherung der beiden Jungen per Chat das ernste Projekt der Hamburger Gruppe, David bei der Flucht aus Uganda zu helfen. Der hat wichtige Sätze seines Pendants notiert und alles andere von seinem Smartphone gelöscht

Du bist uns wichtig geworden, Freedom Fighter.

Mehr und mehr Flüchtlinge aus Afrika wollen nach Europa und vor allen nach Deutschland. So gibt es leider auch Politiker hier, die das verhindern wollen.

Das größte Problem wird sein, dich an die Grenze zu Deutschland zu bekommen. Denn nur dann kannst du einen Antrag auf Asyl stellen. Deutschland liegt nicht am Mittelmeer, leider. Und weit weg von Afrika.

… Michelle meint, du kannst bei uns im Wohnzimmer auf dem Sofa schlafen. Du kannst aber auch bei mir im Zimmer übernachten.

Der spannende Plot gibt dem Autor van Dijk die Gelegenheit, zwei völlig verschiedenen Welten zu schildern und wichtige Informationen zur Lage von LGBTIQ in afrikanischen Ländern sowie zu den schwierigen Bedingungen einer Flucht von Afrika nach Europa einzubauen.

David macht sich auf den Weg – mit falschem Pass, dort heißt er Dennis, und ein wenig Geld. Über die Hauptstadt Ruandas, Kigali, reist er mit Bus und Flugzeug in die korrupte und gefährliche Hauptstadt Nigerias, Lagos. Stets versucht David den Namensvetter in Deutschland per Smartphone zu informieren – was oft wegen technischer Schwierigkeiten gar nicht so einfach ist.

Diese vorsichtigen Dialoge zwischen den beiden Jungen sind wie zarte Inseln in dem hektischen, auch brutalen Geschehen. Zum Beispiel als David/Dennis endlich ein Foto von sich nach Hamburg sendet.

Hamburg: Wow, wow, wow. Bist du das? Ein Superfoto… von dir, echt wahr! Du siehst älter aus als 16!

Kigali: Spinner! Ich sehe ganz normal aus. Ein Selfie vorhin nach dem Duschen. Und vor dem Abtrocknen.

Hamburg: Hey, das ist ein tolle Überraschung. Danke, wirklich!

Kigali: Meinst Du wir sehen uns mal? Ich meine, nicht digital. Sondern in einem Land, in einer Stadt vielleicht. Zum Anfassen.

Hamburg Wäre gut, nicht? Hattest du schon mal… ich meine: Darf ich dich alles fragen?

Kigali: Ja!

David aus Kampala schafft die Flucht nach Deutschland über die Türkei, so viel sei verraten. Aber einfach ist es wahrlich nicht. Gefahren – zum Beispiel ein Überfall -, Unsicherheit, Einsamkeit und Angst vor jeglichen Beamten, Passkontrollen und Vernehmungen begleiten den tapferen Jungen. Längst nicht immer ist er in der Lage mit seiner Mutter oder den deutschen Freunden zu kommunizieren und Beistand zu finden. Aber nach dieser dramatischen und anstrengenden Reise findet er schließlich eine Bleibe in einem Kirchenasyl in Hamburg-Wandsbek.

Lutz van Dijk, der in Hamburg als Lehrer gearbeitet und 2001 mit seinem Mann nahe Kapstadt ein Heim für Aids-Waisen aufgebaut hat [Anmerkung 3], hat ein starkes und fesselndes Jugendbuch geschrieben, das Raum lässt für behutsame Momente, die den drive der schwierigen Flucht anhalten. Denn beide Jugendliche sind noch auf der Suche, haben Zweifel und Träume, Sehnsüchte und Nöte.

Der Autor hat reale Geschichten verarbeitet, wie er sagt. Er hat sich von dem ugandischen Aktivisten David Kato inspirieren lassen, der 2004 die Organisation SMUG gegründet hatte und 2011 ermordet worden ist. Ein Foto erinnert gleich zu Anfang des Buches an diesen „Kämpfer für Menschenrechte“. Außerdem hatte van Dijk homosexuelle Geflüchtete in Kapstadt kennengelernt, die wegen der liberalen Gesetzgebung nach Südafrika geflohen waren. So knüpft der Autor geschickt die individuellen Schicksale an Geschehnisse in der realen Welt und füttert junge Leser*innen-Hirne mit Fakten, die im besten Fall Neugier auf mehr wecken. So wird etwa das europäischen Schengen-Abkommen kurz erklärt, der Völkermord an den Tutsi in Ruanda thematisiert und die Lage der LGBTIQ in anderen afrikanischen Ländern geschildert. [Amerkung 4]

Ergänzt wird der Roman von einem Anhang mit gut dosierten kurzen Fakten und Hintergründen. Die Juryvertreter der Bücherfresser betonten in einer online-Präsentation die Wichtigkeit dieser Fußnoten: „Interessant“ und „leicht zu handhaben“ gäben sie „Tiefe und Bezug zur Realität“. Genau das will Lutz van Dijk aufzeigen: „Was man tut, hat auch privat Konsequenzen“.

Dem Buch seien viele Leser*innen jeden Alters gewünscht – zumal die Einnahmen zur Hälfte an queeramnesty und zur anderen Hälfte an SMUG in Kampala gehen.

Zur Verbreitung des Romans sollte auch beitragen, dass 35 Seiten Unterrichtsanregungen mit Arbeitsblättern (für die Sek. I + II aller Schularten) auf der Seite des Verlages kostenlos zum Herunterladen bereitstehen. Diese Anregungen haben Lehrer*innen in einer online-Diskussion als „sehr gut“, „inspirierend“ und „motivierend“ bezeichnet, z.B. wegen der „zeitgemäßen pädagogischen Formate“, der „verschiedenen, pragmatischen Zugänge“, der „handlungsorientierten Angebote“ und der fächerübergreifenden Einsetzbarkeit.

[Anmerkung 5]

Anmerkungen:

Veranstaltungen

LÄNDERFOKUS Kamerun

Do, 24. Juni 2021 - 19:30 -21:00 Uhr

Im Juni setzt stimmen afrikas…

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LÄNDERFOKUS Kamerun

Mi, 30. Juni 2021 - 19:30 bis 21:00 Uhr

Am 30. Juni geht es bei unseren Kolleg*innen…

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stimmen afrikas –
Literaturen afrikanischer Autor*innen in Köln

Seit mehr als zehn Jahren bietet das Projekt stimmen afrikas Autor*innen aus dem afrikanischen Kontinent und der afrikanischen Diaspora eine Bühne in Köln. Sie stellen ihre auf Deutsch erschienenen Werke mit einer Lesung von Auszügen aus Romanen, Geschichten und Gedichten vor und kommen anschließend mit dem Publikum ins Gespräch. So kommt ein unmittelbarer und lebendiger Austausch zustande. Vor allem die Bandbreite der Themen und Ausdrucksformen der Literaturen sowie die Begegnung mit außergewöhnlichen Persönlichkeiten lassen jede Lesung zu einem besonderen Erlebnis werden.

Außerdem veranstaltet stimmen afrikas einmal im Jahr, einen Vorleseabend. Egal ob interessierte Laien, Afrika-Kenner*innen, Kulturliebhaber*innen oder Literaturwissenschaftler*innen, alle sind willkommen, und die wachsende Zuhörerschaft beweist, dass sie die Veranstaltungen schätzen und liebgewonnen haben, genauso wie die Gäste, die gerne wiederkommen.

„Ganz wunderbar, was Sie hier machen!“, meint ein regelmäßiger Besucher der Reihe. Die senegalesische Autorin Fatou Diome empfand das Publikum als „sehr aufgeschlossen und warmherzig. Ich hätte stundenlang weitermachen können!“. Samson Kambalu aus Malawi war ebenfalls begeistert: „Es war fantastisch. Ich will das gern noch mal machen!“ Und Youssouf Amine Elalamy aus Marokko meint: „Es ist wichtig, dass die Stimmen Afrikas außerhalb Afrikas gehört werden“

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