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Wortgewandt und Kreativ - Tagungsbericht

 

             Wortgewandt  Kreativ443A Small

      © Herby Sachs

 

Die Tagung »Wortgewandt und Kreativ« am 7. Februar 2015 bot einen Überblick über die verschiedenen Tätigkeitsbereiche von JournalistInnen und Einblicke hinter die Kulissen der Medienproduktion. Die ReferentInnen – die TV-Journalistin, Soziologin und freie Moderatorin Dr. Nkechi Madubuko, der Geschäftsführer des Vereins M-Media und Herausgeber des gleichnamigen Online-Portals simon INOU, der Herausgeber der Zeitschrift LoNam Hervé Tcheumeleu und der Radioredakteur der Deutschen Welle Bob Barry – berichteten von ihrem Einstieg in den Journalismus, zeigten anhand eigener Erfahrungen Möglichkeiten und Wege in den Beruf auf und erläuterten die Schwierigkeiten. In der abschließenden Podiumsdiskussion sprachen die TeilnehmerInnen über Möglichkeiten, Chancen und die Verantwortung von JournalistInnen.

Mit Fachkompetenz und Selbstbewusstsein ins Fernsehen

Der Workshop zum Thema TV-Journalismus und Radio-Journalismus wurde von Dr. Nkechi Madubuko und Bob Barry geleitet. Die beiden legten viel Wert darauf, den TeilnehmerInnen zu vermitteln, welche formalen und persönlichen Voraussetzungen junge Menschen erfüllen müssen, um in diesem Beruf eine Chance zu bekommen: Dies seien in erster Linie eine sehr gute Allgemeinbildung, Selbstbewusstsein, Eigeninitiative und Fachkompetenz. Jede weitere Fähigkeit, wie etwa Fremdsprachenkenntnisse, werden ebenfalls gern gesehen. Besonders wichtig sei es, ein Spezialgebiet zu haben. Dabei muss man nicht unbedingt Journalismus studiert haben. Wer in seinem Spezialgebiet glänzt und es überzeugend darstellen kann, hat einen Vorteil gegenüber MitbewerberInnen. Der Weg in den Beruf sei zwar schwierig, aber nicht unmöglich. Als Einstieg dienen Praktika, Volontariate, Traineeprogramme und freie Mitarbeit. Es kommt vor allem darauf an, Erfahrungen zu sammeln und sich für andere interessant zu machen. In diesem Sinne sind JournalistInnen auch immer »VerkäuferInnen«: Sie müssen überzeugend darlegen können, warum ein bestimmter Bericht gesendet und welches Zielpublikum mit diesem Beitrag erreicht werden soll.

Aktualität vs. Ausführlichkeit – Herausforderungen im Printjournalismus

Den Workshop zum Thema Print-Journalismus leitete Hervé Tcheumeleu. Die TeilnehmerInnen erfuhren viel über seinen persönlichen Werdegang und die Arbeit als Chefredakteur der Zeitschrift LoNam, die als Plattform für in Deutschland lebende AfrikanerInnen dient und ein realistisches Bild des Kontinents abseits der Mainstream-Berichterstattung vermitteln soll.
So konnte Tcheumeleu als Gründer des Magazins über Startschwierigkeiten berichten und andere Aspekte hervorheben, die bei der Arbeit an einem Printmagazin relevant sind: die Aktualität der Berichte, die zum großen Teil aus Freiwilligen und PraktikantInnen bestehende Redaktion sowie den Umgang mit Bildrechten. Außerdem wurden Besonderheiten des Berufes »PrintjournalistIn« thematisiert. Demnach könne jede/r mit Spaß am Texten als HobbyjournalistIn arbeiten. Um jedoch (haupt-)beruflich im Journalismus tätig sein oder sogar ein eigenes Magazin gründen zu können, sei es wichtig, Kontakte aufzubauen. Wer als JournalistIn arbeitet, sollte sich außerdem der Verantwortung bewusst sein, die durch (subjektive) Veröffentlichungen entstehen. Der besondere Reiz einer Gründung liege darin, über eigene Interessensgebiete schreiben und wichtige Themen vermitteln sowie seine persönliche Perspektive darlegen und dadurch viele Menschen erreichen zu können.

Online-Medien als Chance und Alternative?

Der Online- Journalismus Workshop hat unter der Leitung von simon INOU stattgefunden. In dem Workshop wurde vor allem das zeitgenössische Afrika-Bild, das in den deutschen Medien dominiert, sowie der Beruf des Onlinejournalisten thematisiert. Im Zusammenhang mit Afrika pflegen deutsche Medien ein stereotypes Leitbild und berichten hauptsächlich über Krieg, Korruption, Katastrophen, politische Instabilität, Safari, traditionelle Kunst, Folklore, Analphabetismus, Trommeln, Entwicklungshilfe, Flüchtlinge und Afrika als homogenes »Land«. Bedenken sollte man stets, dass das eurozentristische Weltbild überholt ist und dass die heutige Generation in Afrika nicht mehr mit einem vom Kolonialismus geprägten Dasein aufwächst. Das Online-Medium sei im Gegensatz zu Print, Fernsehen und Radio von keinen Einschränkungen hinsichtlich des Datenvolumens betroffen und kann von den NutzerInnen meist kostenlos konsumiert werden. Online werden Informationen und Nachrichten kompakt und sehr schnell verbreitet. Außerdem nutzen Online-Portale die »Verweistechnik«, d.h. es werden gebündelt zahlreiche Links verbreitet. Dadurch finde eine Medienkonvergenz von Print, Fernsehen und Radio statt. Die Anforderungen an den journalistischen Beruf steigen demnach unentwegt: Online-JournalistInnen müssen, um erfolgreich im Beruf zu sein, alle drei Medientypen beherrschen und gekonnt miteinander kombinieren.

Ergebnisse der Tagung

In der abschließenden Podiumsdiskussion wurden folgende Punkte als Ergebnis festgehalten:

  •  Journalismus ist nie objektiv, sondern wird immer vom jeweiligen Interesse der JournalistInnen gezeichnet.
  •  JournalistInnen verfassen bereits vielseitige und umfassende Artikel über afrikanische Länder, die letztlich von den Redaktionen aber nicht genehmigt werden.
  •  Redaktionen sind natürlich auch am »Umsatz« interessiert; die Selektion bzw. Nichtgenehmigung der Artikel stützten sich also im Kern auf die angenommene Erwartung der HörerInnen, LeserInnen oder ZuschauerInnen.
  •  Medien sind Unternehmen, d.h. sie »verkaufen« das, was die Zuschauer sehen wollen.
  •  KonsumentInnen können die Medienlandschaft mitgestalten, indem sie Inhalte einfordern oder gar selbst lancieren, z.B. über Diskussionen und Verbreitung in sozialen Netzwerken wie Twitter und Facebook oder Blogs; sobald ein Thema mehrfach in den verschiedenen Medien auftaucht, kann es unter Umständen auch für sog. »Traditionsmedien« relevant werden.
  •  Veränderungen in der Berichterstattung über Afrika gibt es bereits, aber es ist ein langsamer Prozess, der von engagierten Menschen vorangetrieben werden muss.
  •  Online-Medien bieten eine noch größere Chance, das bestehende Afrikabild zu verändern.

Wir danken allen ReferentInnen und BesucherInnen der Tagung »Wortgewandt und Kreativ«!

             Wortgewandt  Kreativ0558A Small

      © Herby Sachs